Dienstag, 18. Januar 2011

Day 1: Von verstopften Flugzeugklos und vegetarischem Essen


07:05, Abflug Graz Thalerhof. Bei frostigen Frühtemperaturen bestieg ich mit geschätzten 50 Businessmen die Maschine nach Düsseldorf, in der sich bald ein Konglomerat aus beißendem Moschus-Parfum und scharf-süßlich duftendem Rasierwasser des prototypischen metrosexuellen Businessman breit machte. Ich saß am Fenster und konnte das mit Nebelschwaden überzogene, verschlafene Graz beim Munterwerden beobachten. Unter uns die verschneiten Berge mit ihren markanten Felseinschnitten, deren Struktur durch den Schnee noch deutlicher zu erkennen war. Erst über deutschem Gebiet breitete sich eine dichte Wolkendecke unter uns aus. Links neben mir zwei Männer, der eine direkt neben mir offensichtlich bemüht, ein Gespräch anzufangen. Die Turbulenzen über Deutschland boten die ideale Gelegenheit: "Geht's noch? Alles okay bei dir? Wenn das so weiter geht, muss ich mich an dir festhalten..." und schließlich: "Bleibst du heute auch in Düsseldorf?" Der kleine Hoffnungsschimmer wurde im Keim erstickt, als er von meiner Zieldestination erfuhr - New York für ein halbes Jahr. Auch die zaghafte Andeutung seines Kollegen "Hast du nicht bald mal beruflich in N.Y. zu tun?", brachte keine Rettung mehr. Ich machte mich schleunigst aus der Maschine.
09:25: Mövenpick Café im Departure-Bereich des Düsseldorfer Flughafens. Endlich ein Frühstück, nachdem im Flugzeug nur die Wahl zwischen einem Milka-Tender-Schokoriegel und einer kleinen Tüte Soletti Snack Mix bestanden hatte. Das krosse Brötchen mit (man merke) gekochtem Schinken auf Frischkäse und Salatblatt beruhigt den Magen. Der Schokoriegel in Kombination mit den schwülstigen Mannerdüften war zuviel des Guten gewesen...


Der Abflug von Düsseldorf hat sich um etwas mehr als eine Stunde verzögert. Grund: technische Probleme, die sich schließlich als verstopfte Toiletten und Abflussrohre auf der rechten Seite des Airbus A330 entpuppten. Irgendwelche Fluggäste hatten zuvor undefinierbare Gegenstände in ein Klo geworfen (or whatever) mit dem Ergebnis, dass der riesige Pfropfen mit Hilfe eines mit Hochdruck in die Leitung geblasenen Geschosses aufgelöst werden musste. Eine funktionierende Klospülung hat sich nach dem einstündigen Ausharren in der Maschine am Boden wohl noch nie so schön angehört ;)
So, ready for take-off: hoch in den Lüften zeigten sich England und Irland von ihrer schönen Seite, mit ihren zahlreichen Seen und sanften Hügeln.


Bald darauf gab es Lunch. Dazu ein paar Worte: der Steward namens Herr Huhn erkundigte sich bei mir, ob ich diejenige sei, die ein Extramenü im Vorfeld ausgewählt hatte (ich hatte bei der Buchung bereits "vegetarisches Essen" angekreuzt). Als ich verblüfft bejahte, meinte er nur, dass er stets auf Nummer sicher gehen wolle, da er einmal einen streng vegetarischen Passagier hatte, der irrtümlicherweise Fleisch vorgesetzt bekommen hatte. Als sich dieser beschwerte und der Steward zu ihm kam und sich vorstellte, "Schönen Tag, Huhn", bekam der Passagier einen Schreikrampf: "Ich will kein Fleisch, wann kapieren Sie das endlich!?" Nun gut, ich bekam jedenfalls mein Extramenü - als erste, wie sich herausstellen sollte: Gedrehte Penne in Tomaten-Kräutersauce, dazu eine Semmel mit Gemüse- oder Sojaaufstrich, eine Schale mit bissfestem Pusztagemüse und eine mit frisch aufgeschnittenem Obst, während die anderen zwischen mit fettem Käse überbackenen Nudeln und Boeuf stroganov mit Salat in Sauce und üppigem Schokokuchen als Dessert wählen konnten. Fazit: es zahlt sich aus, Extrawünsche zu haben.
Der Flug war angenehm, aber lang und die Sitze viel zu eng für meine Beine - aber das ist ja nichts Neues ;) Nach etwas mehr als 8h15min Flugzeit landeten wir am Newark Liberty International Airport (EWR) um 4pm Ortszeit. Dort hieß es erst einmal Schlange stehen und dann durch die Sicherheitskontrolle (Fingerprints, digital photo, Einreisegrund, usw.). Der Kaugummi kauende und lässig da lehnende Officer wies mich ziemlich schnell durch zur Gepäckausgabe. Schließlich noch durch den Zoll, der an meinen Mozartkugeln nicht im geringsten interessiert war und endlich landete ich in der Ankunftshalle, wo ich von Sara, meiner Kontaktperson am Westminster Choir College (WCC) herzlich empfangen wurde. Die kleine Amerikanerin mit hoher Stimme, hektischer, begeisterungsfähiger und etwas übertriebener Art empfahl mir sogleich, mir einen Kaffee bei Starbucks zu holen, was ich tat. Ich bestellte "a simple black coffee without any flavour and sugar", an dem ich mir erstmal gehörig den Gaumen verbrannte.
Die Autofahrt zu meiner Gastmutter in Princeton, einer gebürtigen Burgenländerin, wie sich herausstellen sollte, war aufregend. Es hatte zuvor geschneit gehabt und war sehr eisig, was Sara langsam fahren ließ. Nachdem wir einmal im Kreis gefahren waren, weil wir die Ausfahrt zum Turnpike verpasst hatten (Sara: "Can you tell me where to go? New Jersey's roads are so confusing"), befand ich mich das erste Mal auf einem richtig amerikanischen Highway nebst fetten Trucks, Jeeps und sonstigen Riesenkutschen der Amerikaner. Very impressive!
Endlich angekommen und herzlich empfangen, freute ich mich auf mein Bett in dem liebevoll eingerichteten Haus. Einziges Problemchen, wenn man so will: die Katzen. Zwei wunderschöne große Tiere, eine grau getigert, die andere kohlrabenschwarz mit grünen großen Augen, die mich auch sogleich verfolgte, um ihre Streicheleinheiten einzufordern...






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