Dienstag, 25. Januar 2011

Day 7: Von einem intensiven Semesterstart und einem fantastischen Chorkonzert

Monday, 1/24/11, classes start. Mein erster Kurs, Italian Diction, begann erst um 10.20 am - also genau so, wie man sich ein Studentenleben vorstellt. Spät aufstehen, gemütlich zur Uni gehen, sich in den ersten Kurs setzen und entspannt zuhören, was im Semester so alles geplant ist. So sollte es hier aber nicht sein:
Die Amerikaner sind super pünktlich und man wird als sehr "disrespectful" angesehen, wenn man den Unterricht durch sein zu-spät-Kommen unterbricht. Die erste Einheit war alles andere als nur ein Overview über das im Kurs Geforderte. Es ging sofort um das Eingemachte und ich merkte bald, dass alle hier das IPA (= International Phonetic Alphabet) perfekt beherrschen. Für mich hieß das, dieses so schnell wie möglich auch intus zu bekommen... Die nächste Einheit findet bereits am Mittwoch statt.
Das Kurssystem in Amerika unterscheidet sich deutlich von unserem. So finden Kurse 2 bis 4 Mal die Woche statt und es gilt jedesmal: "Be prepared or just leave it!"
Next class: Symphonic Choir. Erste Hürde - Voicings. Jede Stimmgruppe musste sich in einer Reihe aufstellen und dann mussten wir alle hintereinander "Row row row the boat"singen. Dr. Miller, der Chorleiter, entschied anhand des Stimmklanges und der Lautstärke, wer am besten neben wem im Chor zu stehen hatte. Dann bekam jeder eine Nummer, die seine Platzierung eindeutig machte.
Nach der halben Stunde Mittagspause (mehr Zeit wird für das Essen nicht einkalkuliert) ging es für mich weiter mit dem Kurs Voice Pedagogy - Methods. Ein hoch interessanter Kurs bei einem fantastischen Professor mit einer Kursliste von 6 geforderten und 4 empfohlenen Büchern, sowie der Hausaufgabe, bis Mittwoch 5 Kapitel des ersten Buches zu lesen und darüber referieren zu können.
Meine Posts werden in Zukunft also rar werden...
Der Abend war einer der Highlights meiner ersten Tage hier: der Besuch des Westminster Choir Concerts im Richardson Auditorium in der Alexander Hall der Princeton University. Allein der Princeton Campus bei Finsternis war thrilling enough und erinnerte mich sehr an die Harry Potter-Filme. Und dann erst die sphärischen Klänge der ersten beiden Stücke "Data est mihi omnis potestas" by James MacMillan und "The Spheres" from Sunrise Mass by Ola Gjeilo - gorgeous! Es folgten eine Bachkantate, zwei wunder bare Brahmslieder "Nachtwache I + II", sowie Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen".


Nach der Pause gab der Chor nebst anderen Stücken einen von einem Studenten komponierten Song, drei Shakespeare Songs und ein Spiritual "Set Down Servant" (Solos von zwei schwarzen Studenten mit  riesiger Stimme und dunklem Timbre gesungen) zum Besten und das Auditorium tobte. I had goose bumps and am looking forward to singing in such a choir...

Montag, 24. Januar 2011

Day 6: Busy Sunday

An diesem Tag stand üben am Programm. Mit meiner WCC-Student-ID-Card kommt man rund um die Uhr in Räume und Übungszimmer auf dem Campus. Das Wetter war schön, also marschierte ich - ausgerüstet mit meinen neuen Stiefeln - drauf los. Hier ein paar Fotos, die einen Eindruck von meinem "Schulweg" geben sollen.



Meine Bleibe und darunter der Caldwell Drive mit Blick Richtung Süden.












Bertrand Drive gen Westen und darunter die Terhune Road, eine stillgelegte und als Fuß- und Radweg verwendete Straße, die hier kreuzt (siehe gelbes Schild).



Rechts weg führt ein schmaler Weg/ Radweg durch den Wald (s. Bild unten) zur Snowden Lane, wo der Weg schließlich wieder zur Terhune Rd wird, die an dieser Stelle allerdings Van Dyke Rd. heißt.
Links weg führt der breite Teil der Terhune Rd.




Blick in die Terhune Road in Richtung Wald/ Snowden Lane. Ein breites Straßenstück der Terhune Road, das im Wald plötzlich endet, befindet sich auf der anderen Seite. Der Bau dieser Straße wurde aufgrund einer Bürgerinitiative gestoppt. Trotzdem wird sie gut gewartet - für den Fall des Falles...




Vom Bertrand Drive geht's rechts in die Dodds Lane.












Das Schneeräumen wird hier am Overbrook Drive nicht so ernst genommen (siehe rechts).









Gut eingepackt und mit Unisachen behängt in der Magnolia Lane, bevor ich nach einer kurzen Strecke auf der Snowden Lane und Franklin Ave zur Kreuzung Harrison Street kam (siehe unten).


Nun nur noch ein paar 100m gerade aus und der Campus ist erreicht.

Und schließlich wurde dann doch noch was aus dem Üben in einem der class rooms, die Sonntags zur freien Verfügung stehen.

Day 5: Von neuen Boots und All-you-can-eat

Der Samstag Morgen begann gemütlich. Nachdem ich lange geschlafen hatte, kochte ich mir ein richtig gutes Frühstück mit eggs, cheddar und Palatschinken :)
Danach wollte mir meine Gastmutter die Umgebung zeigen, damit ich mich besser zurecht finden würde. Wir machten uns also auf einen "long walk", der uns durch den Smoyer Park und bis zum Lake Carnegie, einem für die Rudermannschaft der Uni Princeton künstlich angelegten See, führte.

Pathway through Smoyer Park

Völlig durchfroren (es hatte um die -10°C) kamen wir zuhause an und wollten schließlich in die Stadt fahren, um mir dort neue und wasserfeste Boots zu kaufen und das Rad meiner Gastmutter zur Reparatur zu bringen, damit ich damit zur Uni fahren könne. Ich fand dicke, mit Lammfell gefütterte Nubukleder-Stiefel, die hier ein Trend zu sein scheinen und war happy. Ich hatte Princeton und meine Umgebung an diesem Tag "pretty good" erschlossen.
Am Abend gab es Dinner in einem italienischen Restaurant "Olive Garden". Beim Eingang wurde uns eine Art Beeper in die Hand gedrückt, der vibriert, rot leuchtet und schreit, wenn ein Tisch frei wird. Nach 10-minütiger Wartezeit war es so weit und ich musste lachen, als ich bemerkte, dass die Stühle Rollen besaßen, damit sich der average American - so wurde mir gesagt - leichter zum Tisch setzen kann. Zu einem Hauptgericht bekommt man serviert: either soup or salad (unlimited), white bread (as much as you can eat) und drinks (are going to be refilled) wobei ich schon bei der Hälfte der Suppe w.o. geben musste. Meine Lasagne kam schließlich nicht in Schichten, sondern in drei Nudelrollen auf Tomatensauce gebettet, an den Tisch. Die Amerikaner haben wirklich eine interessante Auffassung von europäischem Essen, aber es war alles in allem doch sehr gut! Yummie!

Day 4: Von Bekanntschaft mit der Polizei und Gebrauchsanweisungen für den Supermarkt

Es hatte über Nacht geschneit und deshalb fing die Uni erst um 10 am an. Es gibt einen Rider Alert auf der Homepage oder bequem aufs Handy, wenn die Uni wegen Schneefalls geschlossen oder später aufgemacht wird. Wie praktisch!
Diesen Morgen hatte ich niemanden, der mich abholen und zur Uni bringen würde. Also beschloss ich, zu Fuß zu gehen. Ein spannendes Unterfangen... Die side-walks waren größtenteils noch nicht geräumt, in den Einfahrten waren Hauseigentümer mit riesigen, vor ihre Jeeps gespannten Schneeschaufeln bemüht, den Schnee an den Straßenseiten aufzuhäufen und auf den schneebedeckten Straßen machten sich Streumaschinen ans Werk. Ich hatte mir zuvor auf Google Maps den Weg zum WCC angeschaut und auf einen A4-Zettel abgemalt. Mit Zettel und Fotoapparat bewaffnet, machte ich mich auf den Weg.

That's my home - the left window that is cut off belongs to my room
Als ich schließlich auf der Snowden Lane, einer mit unseren Landstraßen vergleichbaren Hauptverkehrsstrecke dahin spazierte und jedes Mal, wenn ein Auto kam, auf einen Schneehügel auf der Straßenseite hüpfte (es gibt dort so gut wie keine side-walks), blieb plötzlich ein Polizeiauto neben mir stehen. Der Officer kurbelte das Fenster herunter und fragte mich: "Are you alright lady? Ya need help?" Als ich meinte, dass ich zu Fuß zur Uni gehe, schaute er mich komisch und unglaubwürdig an und meinte, dass es weit sei. Als er erfuhr, dass ich Österreicherin sei, meinte er nur: "Ok, so just go ahead, It's a few blocks from here..."
Die insgesamte Gehzeit betrug dann doch 45 min und so kam ich mit eiskalten und total nassen Füßen (meine Stiefel sind dem vielen Schnee zum Opfer gefallen) am Campus an. Aber selbst dafür gibt es in Amerika die ideale Lösung. In jedem Restroom am Campus gibt es hand dryers mit einem wahrhaft powerful air flow, sodass beim Händetrocknen die Sehnen und Knochen der Hände quasi "freigelegt" werden. Meine Socken und Stiefel waren also in Null-komma-nix trocken und mein Tag gerettet.
An diesem Tag stand zuerst die Finalisierung meines Antrags für die Eröffnung eines Bankkontos an. Mr. Broadway war "perfectly prepared", nachdem er mir am Vortag versprochen hatte, immer für mich da zu sein, als ich ihm eine Mozartkugel geschenkt hatte. Ich bin nun also stolze Besitzerin dreier Scheckhefte und ready for my first wire-in.
Zweiter Punkt an der Tagesordnung war das Choir hearing bei Dr. Miller. Es ging um die Aufnahme in den Symphonic Choir des Westminster Choir Colleges, einem Chor für undergraduate und graduate students. Gefordert waren ein Liedvortrag, Nachsingen von am Klavier vorgespielten Melodien und eine Blattsingübung. Nachdem ich das gemeistert hatte, stand ich abends vor der nächsten Herausforderung. Einkaufen in McCaffrey's, einem der Supermärkte hier. Ich fand mich bald ratlos und ein wenig verzweifelt vor den nicht-enden-wollenden prall gefüllten Regalen stehen und versuchte, Produkte zu identifizieren bzw. Inhaltsstoffe auf Verpackungen zu studieren. Wäre da nicht die ultimative Rettung gewesen - ein Zettel mit einer Übersicht über die wichtigsten Nahrungsmittel und deren Standort, den ich von einem netten Supermarktangestellten bekam. Glücklich und bepackt trat ich in der Dunkelheit den Nachhauseweg an und war wohl selten so froh gewesen, dass die Amerikaner ungeachtet des Energieverbrauches ihre Außenlichter und Gartenlampen gerne anlassen. Es gibt nämlich so gut wie keine Straßenlaternen - nur an den stark befahrenen Straßen, an Kreuzungen oder in gefährlichen Kurven. Ich kam "sound and safe" zuhause an, machte mir etwas not-typical-American zu essen und freute mich auf meine erste kleine Party, zu der ich eingeladen war...

Donnerstag, 20. Januar 2011

Day 3: Von Campustours und dem Broadway

Dieser Tag begann wieder sehr bequem für mich. Ich wurde mit dem Auto zum Campus kutschiert. Tagesordnungspunkt Nummer 1: Breakfast for new students, von dem, wie sich bald herausstellte, niemand bescheid wusste. Alles, was sie uns in der Cafeteria in der Eile anbieten konnten, waren "cereals" - eine riesige Auswahl an Cornflakes und bunten, in Stern-, Kugel-, Polsterform etc. produzierten Frühstücks-Magenfüllern. Dazu gab es entweder low fat milk, less fat milk (2%), milk without any fat, milk with fat (I got crazy by choosing one of them) und schließlich chocolate milk.
Nach dem Frühstück begann die Kursauswahl - scheduling for classes, was einige Zeit in Anspruch nahm. Die Kurse finden, nicht wie bei uns nur einmal die Woche für eineinhalb Stunden statt, sondern gleich 2 bis 4 Mal die Woche für je eine oder eineinhalb Stunden. Viel mehr als fünf Kurse schafft man hier also nicht pro Semester.
Bald darauf gab es schon wieder Essen: diesmal Lunch - Tuscan Turkey mit karamelisierten Zwiebelringen in white bread, dazu wieder French Fries. Natürlich mit den Fingern zu essen. Ich merkte bald, dass ich den intensiven süßlich-würzigen Zwiebelgeruch nicht mehr von den Fingern bekam. Das sollte den ganzen Tag anhalten...
Nach dem Lunch machte ich mich auf zum Princeton Shoppingcentre, um dort ein amerikanisches Bankkonto zu eröffnen. Bei PNC wurde ich von einem Inder in die Welt des amerikanischen Bankwesens eingeführt und schließlich, als ich mich für ein Konto entschied, an Mr. Herbert Broadway, einen schwarzen Bankangestellten mit fantastischen Holländisch-Kenntnissen (soweit ich das beurteilen kann), die er sogleich auspackte, als er von meiner Herkunft erfuhr, verwiesen. Es wäre wohl zu perfekt gewesen, wenn das gleich geklappt hätte; allerdings benötigt man für das Eröffnen eines Kontos eine Telefonnummer, unter der man stets erreichbar ist. Ein Cell phone musste her...
Am späteren Nachmittag fuhren zum Lawrenceville Campus der Rider University in, wie der Name schon sagt, Lawrenceville (ca. 20 min. mit dem Auto). Der Campus ist riesig, beinhaltet ein Theater, eine große Sporthalle, ein Fitness Centre und vieles mehr. Wir wurden herumgeführt und bekamen nach der Tour gemeinsam mit den anderen Neuankömmlingen der Rider University ein Dinner. Und schließlich sah ich mein erstes College Basketball Game Rider University gegen eine auswärtige Mannschaft. Es war eine coole Erfahrung. Die Trainer, in feinen Anzügen, brüllten sich am Spielfeldrand die Seele aus dem Leib, die Cheerleader hüpften an der Seite aufgeregt herum und feuerten die Spieler mit ihren standardisierten Zurufen an, um in den Breaks schließlich ihre akrobatischen Kunststücke darzubieten.
Danach fuhren wir noch bei Walmart vorbei. I bought a cell phone - now I'm connected.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Day 2: Von Essen im Gehen und grinsenden Deans


Nach einer angenehmen Nacht im Queen Size Bed wurde ich von Sara um 8.25 am (sie wollte um 8.00 da sein) abgeholt und zum WCC gebracht. Dort machte ich Bekanntschaft mit 3 anderen neuen Studierenden (mehr sollten es diesmal nicht sein) und unseren zwei Mentoren Giancarlo und Mare. Am Tisch standen eine Tüte mit Bagel und Creamcheese zum selber-drauf-Streichen, sowie ein Papierkarton mit Kaffee. "Please feel free to take what you want", hieß es. Kaum hatte ich meinen Bagel bestrichen, begann die Campus-Tour. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als mein Frühstück im Gehen zu verzehren. Wir liefen von Dean's Office zu Dean's Office, schauten bei den Sekretärinnen und einigen Professoren vorbei, schüttelten mit der einen Hand die Hände der Deans, während wir in der anderen Hand unsere Riesen-Bagel hielten und ein schmatzendes "Hello, neisch to meet ou" herausbrachten. Die beiden Deans waren begeistert, uns Neuankömmlinge zu treffen und grinsten über beide Ohren, als sie von meiner Herkunft erfuhren. Sogleich sollten die ersten deutschen Wörter fallen, gefolgt von Reisegeschichten aus Europa.
Die amerikanische Freundlichkeit und Begeisterungsfähigkeit gefällt mir. Es wirkt alles sehr unbeschwert im positiven Sinne. Als Willkommensgeschenk erhielt ich einen weißen Plastic Bag mit einer roten Fleecedecke, einer Tafel Schokolade, einem $10-Gutschein für einen CD Store und einer Trinkflasche. Really cute!



Der Campus ist wunderschön und übersichtlich. Die vielen einzelnen Gebäude sind ein jedes für sich einzigartig und innen anders im Charakter. Hier eine Übersicht, auch zu finden auf www.rider.edu:


Und damit man einen Eindruck bekommt, wie das jetzt im Winter aussieht, habe ich ein paar Fotos gemacht. Die Williamson Hall ist Dean's Office und sagen wir "Studien- und Prüfungsabteilung", sowie das Hauptgebäude des Campus'.


Genau gegenüber befindet sich dieses Gebäude, die Bristol Hall, die einen wunderschönen Konzertsaal beherbergt.


Und zu ihrer Seite sieht man das Student Centre mit den Fenstern der Cafeteria im ersten Stock.

Am Abend des ersten Orientation Day's gingen wir das erste Mal ins Zentrum, um in der Nassau Street bei Zorbas Brother zu dinieren. Das erste, was in amerikanischen Restaurants auffällt, ist ein Schild im Eingangsbereich "Wait until you get seated". Man wartet also auf die Kellnerin/ den Kellner und wird zu einem Tisch geleitet. Dann bekamen wir die Speisekarte hin geklatscht, wurden nach Getränkewünschen gefragt und kurz darauf nach der Menüauswahl. Ich wählte ein Gericht, bestehend aus Tzatziki, gefüllten Weinblättern, Taramasalata und dachte, da könne ich soviel nicht falsch machen. Was dann allerdings am Teller antanzte, war eine Mischung derselben in einem Wrap, garniert mit einer halbierten Essiggurke und French Fries als Beigabe. Und dann musste es schnell gehen: Gabel oder am besten gleich Löffel in die rechte Hand und rein schaufeln.
Später Abends durfte ich erstmals American brewed beer verkosten: ein honey blonde in einem der angesagten Nachtclubs (oder besser gesagt Brauerei) Princetons, dem "Triumph". Zuvor wird man aber nach dem Ausweis gefragt. Der kleine rosa Zettel, den ich dem Kellner zeigte, faszinierte ihn dermaßen, dass er die Bestellung vergaß. Whatever, das Bier schmeckte lecker - gar nicht so bitter und fad, wie ich zuvor angenommen hatte. Und es war spannend zu hören, was Amerikaner von unserer Art Bier zu trinken glauben - nämlich, dass wir es lauwarm mögen, wie alle Getränke...

Dienstag, 18. Januar 2011

Day 1: Von verstopften Flugzeugklos und vegetarischem Essen


07:05, Abflug Graz Thalerhof. Bei frostigen Frühtemperaturen bestieg ich mit geschätzten 50 Businessmen die Maschine nach Düsseldorf, in der sich bald ein Konglomerat aus beißendem Moschus-Parfum und scharf-süßlich duftendem Rasierwasser des prototypischen metrosexuellen Businessman breit machte. Ich saß am Fenster und konnte das mit Nebelschwaden überzogene, verschlafene Graz beim Munterwerden beobachten. Unter uns die verschneiten Berge mit ihren markanten Felseinschnitten, deren Struktur durch den Schnee noch deutlicher zu erkennen war. Erst über deutschem Gebiet breitete sich eine dichte Wolkendecke unter uns aus. Links neben mir zwei Männer, der eine direkt neben mir offensichtlich bemüht, ein Gespräch anzufangen. Die Turbulenzen über Deutschland boten die ideale Gelegenheit: "Geht's noch? Alles okay bei dir? Wenn das so weiter geht, muss ich mich an dir festhalten..." und schließlich: "Bleibst du heute auch in Düsseldorf?" Der kleine Hoffnungsschimmer wurde im Keim erstickt, als er von meiner Zieldestination erfuhr - New York für ein halbes Jahr. Auch die zaghafte Andeutung seines Kollegen "Hast du nicht bald mal beruflich in N.Y. zu tun?", brachte keine Rettung mehr. Ich machte mich schleunigst aus der Maschine.
09:25: Mövenpick Café im Departure-Bereich des Düsseldorfer Flughafens. Endlich ein Frühstück, nachdem im Flugzeug nur die Wahl zwischen einem Milka-Tender-Schokoriegel und einer kleinen Tüte Soletti Snack Mix bestanden hatte. Das krosse Brötchen mit (man merke) gekochtem Schinken auf Frischkäse und Salatblatt beruhigt den Magen. Der Schokoriegel in Kombination mit den schwülstigen Mannerdüften war zuviel des Guten gewesen...


Der Abflug von Düsseldorf hat sich um etwas mehr als eine Stunde verzögert. Grund: technische Probleme, die sich schließlich als verstopfte Toiletten und Abflussrohre auf der rechten Seite des Airbus A330 entpuppten. Irgendwelche Fluggäste hatten zuvor undefinierbare Gegenstände in ein Klo geworfen (or whatever) mit dem Ergebnis, dass der riesige Pfropfen mit Hilfe eines mit Hochdruck in die Leitung geblasenen Geschosses aufgelöst werden musste. Eine funktionierende Klospülung hat sich nach dem einstündigen Ausharren in der Maschine am Boden wohl noch nie so schön angehört ;)
So, ready for take-off: hoch in den Lüften zeigten sich England und Irland von ihrer schönen Seite, mit ihren zahlreichen Seen und sanften Hügeln.


Bald darauf gab es Lunch. Dazu ein paar Worte: der Steward namens Herr Huhn erkundigte sich bei mir, ob ich diejenige sei, die ein Extramenü im Vorfeld ausgewählt hatte (ich hatte bei der Buchung bereits "vegetarisches Essen" angekreuzt). Als ich verblüfft bejahte, meinte er nur, dass er stets auf Nummer sicher gehen wolle, da er einmal einen streng vegetarischen Passagier hatte, der irrtümlicherweise Fleisch vorgesetzt bekommen hatte. Als sich dieser beschwerte und der Steward zu ihm kam und sich vorstellte, "Schönen Tag, Huhn", bekam der Passagier einen Schreikrampf: "Ich will kein Fleisch, wann kapieren Sie das endlich!?" Nun gut, ich bekam jedenfalls mein Extramenü - als erste, wie sich herausstellen sollte: Gedrehte Penne in Tomaten-Kräutersauce, dazu eine Semmel mit Gemüse- oder Sojaaufstrich, eine Schale mit bissfestem Pusztagemüse und eine mit frisch aufgeschnittenem Obst, während die anderen zwischen mit fettem Käse überbackenen Nudeln und Boeuf stroganov mit Salat in Sauce und üppigem Schokokuchen als Dessert wählen konnten. Fazit: es zahlt sich aus, Extrawünsche zu haben.
Der Flug war angenehm, aber lang und die Sitze viel zu eng für meine Beine - aber das ist ja nichts Neues ;) Nach etwas mehr als 8h15min Flugzeit landeten wir am Newark Liberty International Airport (EWR) um 4pm Ortszeit. Dort hieß es erst einmal Schlange stehen und dann durch die Sicherheitskontrolle (Fingerprints, digital photo, Einreisegrund, usw.). Der Kaugummi kauende und lässig da lehnende Officer wies mich ziemlich schnell durch zur Gepäckausgabe. Schließlich noch durch den Zoll, der an meinen Mozartkugeln nicht im geringsten interessiert war und endlich landete ich in der Ankunftshalle, wo ich von Sara, meiner Kontaktperson am Westminster Choir College (WCC) herzlich empfangen wurde. Die kleine Amerikanerin mit hoher Stimme, hektischer, begeisterungsfähiger und etwas übertriebener Art empfahl mir sogleich, mir einen Kaffee bei Starbucks zu holen, was ich tat. Ich bestellte "a simple black coffee without any flavour and sugar", an dem ich mir erstmal gehörig den Gaumen verbrannte.
Die Autofahrt zu meiner Gastmutter in Princeton, einer gebürtigen Burgenländerin, wie sich herausstellen sollte, war aufregend. Es hatte zuvor geschneit gehabt und war sehr eisig, was Sara langsam fahren ließ. Nachdem wir einmal im Kreis gefahren waren, weil wir die Ausfahrt zum Turnpike verpasst hatten (Sara: "Can you tell me where to go? New Jersey's roads are so confusing"), befand ich mich das erste Mal auf einem richtig amerikanischen Highway nebst fetten Trucks, Jeeps und sonstigen Riesenkutschen der Amerikaner. Very impressive!
Endlich angekommen und herzlich empfangen, freute ich mich auf mein Bett in dem liebevoll eingerichteten Haus. Einziges Problemchen, wenn man so will: die Katzen. Zwei wunderschöne große Tiere, eine grau getigert, die andere kohlrabenschwarz mit grünen großen Augen, die mich auch sogleich verfolgte, um ihre Streicheleinheiten einzufordern...