Freitag, 25. Februar 2011

Woche 3: Von der Social Security Number und einem neuen Wetterphaenomen

Anfang der Woche 3 (ich weiß, ich bin mit meinen Erzählungen recht in Verzug) hatte ich eine Jobzusage als Korrepetitorin am Westminster Choir College bzw. an der Rider University am Lawrenceville Campus bekommen, was mich sehr freute (ich hatte in der Woche davor eine Audition gehabt). Allerdings wurden mir zuviele Stunden angeboten (3 Gesangsstudenten, die ich in ihren Gesangsstunden, Einzelproben und Studio Classes begleiten sollte), die ich aufgrund meines intensiven Stundenplans ablehnen musste. Einzig und allein den Rider Choir, den Chor der Rider Universitaet, sah ich mich in der Lage, zu betreuen. Um in den Staaten arbeiten zu koennen, muss man eine Social Security Number beantragen. Wieder ein buerokratisches Unterfangen, das ich mit liebevoller Unterstuetzung der Einheimischen bald erledigen konnte. Dafuer kam ich in den "Genuss", New Jersey's Hauptstadt Trenton kennenzulernen. Ein wahres Ghetto und keineswegs zu vergleichen mit dem schoenen und sicheren Princeton.
In dieser Woche (1/31/2011-2/5/2011) herrschte zudem grosse Aufregung um den angekuendigten Eisregen. Dieser kam auch, wenngleich bei uns gluecklicherweise nur in abgeschwaechter Form. D.h. als ich eines morgens aufwachte, hatten sich auf der dicken Schneedecke ueber Nacht Regenlachen gebildet und an den Pflanzen und Haeusern waren Eiszapfen zu sehen. Die Uni wurde also wieder einmal geschlossen - zumindest vormittags.
Am Nachmittag war Tauwetter angesagt und damit begann das eigentliche Disaster: Aeste brachen wegen der Last des Eises auf die Strasse. Ich entschloss also, mir unter keinen Umstaenden nasse Fuesse oder sonstige Verletzungen durch herunterfallende Aeste oder Stromleitungen (ja, die verlaufen hier noch oberirdisch) zuzuziehen und verbrachte den Tag zu Hause.

Ende der Woche (am Sonntag, 02/06/2011 -> MM/DD/YYYY, aber man gewöhnt sich recht schnell an die Schreibweise) war das sportliche Riesenereignis des Jahres angesagt: der SUPER BOWL. Das heißt, "get your friends together, grab some beer, chili and chips and make yourself comfortable in front of a big screen". Ich war natürlich sehr gespannt, was mich erwarten würde und fand bald heraus, dass die Amerikaner nicht das Spiel an sich so besonders interessant finden (die Spannung ist mit jener während unserer Fußball-WM nicht zu vergleichen), sondern vielmehr die "commercials" - die Werbespots zwischendurch, die extra für den Super Bowl kreiert wurden; es geht also in erster Linie um die Aufmachung und das ganze Drum-herum, wie man auch an diesen Bildern sieht. Die 2 Sportreporter sind wunderbar in Szene gesetzt und erfüllen zur Gänze das Klischee des amerikanischen Fernsehmoderators. Das Spiel war dann trotzdem spannend, nicht zuletzt, weil ich endlich ein paar Regeln verstand. Für all jene, die es interessiert: die anfangs weit überlegene Mannschaft, die Green Bay Packers, hat die Pittsburgh Steelers letzten Endes knapp, aber doch geschlagen.
Die Österreicherin hat erst nach dem Abdrücken gecheckt, dass es drum ging, mit den Armen ein Goal zu formen (nachdem zuvor ein Field Goal erzielt wurde) ... hmm, aber man lernt ja. Man könnte natürlich auch meinen, ich hätte hypermobile Gelenke ;)

Mittwoch, 16. Februar 2011

Woche 2: Von einer ereignisreichen ersten Uniwoche und spektakulaeren Wetterphaenomenen


Kury vorweg: sollten sich Fehler einschleichen, ich schreibe diesmal auf einer qwerty-Tastatur :) And I'm not yet used to it...
Die erste Uniwoche begann also, wie bereits beschrieben, mit einem sehr intensiven und mit ersten Kursen voll gepackten Montag - und so sollte es am Dienstag weitergehen. Am Mittwoch war dann allerdings wieder Entspannung angesagt: es hatte ueber Nacht geschneit gehabt - etwa 20 cm - und so blieb die Uni geschlossen. Welch Wohltat! Ich genoss den Tag zuhause, kochte, schaufelte die Einfahrt frei und erledigte meine ersten Hausaufgaben; ja, richtig. Es ging damit bereits vom ersten Unitag an los. Als es Abend wurde und ich in meinem Zimmer wieder einmal vor dem Computer sass, bemerkte ich ein seltsames Flimmern und Blitzen. Zuerst vermutete einen Defekt der Lampe im Zimmer, aber die schien intakt zu sein. Ploetzlich sah ich durch die offenen Vorhaenge wieder ein Blitzen, gefolgt von einem dumpfen Rumpeln und Poltern. Mir war unheimlich zu Mute. Wer zum Teufel schlich da ums Haus? Dann wurde mir klar - ich traute meinen Augen nicht: ein GEWITTER im Winter BEI SCHNEE!!!! "Lightening snow" wird dieses creepy weather phenomenon hier genannt.
Am naechsten Tag wurde ich bereits um 6 am von mehreren SMS und einem automatically generated phone call des Rider Alert Systems unsanft geweckt (dieses Alert System der Uni benachrichtigt Studenten und Professoren ueber alle wichtigen Ereignisse bzw. Gefahren an der Uni). Es hatte ueber Nacht wieder Neuschnee gegeben. Diesmal ca. 20 inches (= etwa 50cm). Also Augen zu und weiterschlafen..........
Als ich dann tatsaechlich aufstand und nach draussen ging, bot sich mir ein fantastischer Anblick!





















Alles war weiss, der Himmel blau, die Sonne schien. Wie in einem Wintermaerchen und ich mitten drin :) Und ich fragte mich: Muss ich als Oesterreicherin erst so weit weg fahren, um einmal einen richtigen Winter zu erleben?!!! Das ist schon verrueckt. Das Freischaufeln der Einfahrt dauerte dann (zu zweit!) ueber eine Stunde. Es war nicht das Schaufeln an sich, sondern vielmehr die Frage nach dem "Wohin koennen wir den vielen Schnee noch schaufeln, wenn sich an den Seiten bereits die Schneeberge haeuften", die das Unterfangen anstrengend machten. Doch selbst der viele Schnee haelt die Amerikaner nicht davon ab, die schneebedeckten und eisigen Strassen mit ihren Trucks und SUVs mit ihren all-purpose tires, die sich in Wirklichkeit als Sommerreifen entpuppen, zu befahren (natuerlich nur fuer private Zwecke). Es wurde am Nachmittag also eine lustige Fahrt mit jeder Menge Glides und dem einen oder anderen Stau, weil sich ein Fahrzeug auf der Strasse quergestellt hatte.
Was die Strassen und deren Qualitaet hier angeht, so habe ich feststellen muessen, dass erstens der Strassenverlauf keineswegs klar ist (von wegen Raster und Blocks - da waren hier in Princeton vielmehr sehr kreative Bauingenieure am Werk gewesen, die wohl lieber Kunst studiert haetten) und zweitens jederzeit ein Schlagloch auftauchen kann, das den Felgen einen feinen, irreparablen Schlag verpasst.
Dazu sei gesagt, dass die Autos hier nur als Transportmittel verwendet werden, um von A nach B zu kommen. Und dementsprechend sehen die meisten auch aus. Toyota und Hyundai sind die beliebtesten Fabrikate und jeder Amerikaner schuettelt verstaendnislos den Kopf, wenn er hoert, dass bei uns jedes Taxi ein feiner Mercedes ist: "How can you afford that?"


Was das amerikanische Essen und die Kultur betrifft, so bin ich beim Lernen und Eingewoehnen. Eines vorweg: es ist nicht alles Essen, was man hier bekommt, ungesund und chemisch. Und es stimmt auch nicht, dass Amerikaner nicht kochen oder nicht kochen koennen. Es ist bloss ein unvorstellbar grosses Angebot an verschiedenen Nahrungsmitteln erhaeltlich, wobei zugegebenermassen das junk food dominiert und zudem noch optisch "aufgepimpt" ist.






Wen verwundert es also, beim Anblick dieser bunten und "Take me, I'm the best, I'm the biggest, with less fat"-schreienden Verpackungen, Dosen und Bags nach diesen und nicht nach dem unspektakulaeren, etwas verrunzelten (weil bio) Obst und Gemuese zu greifen, das man sich zuhause dann noch in einem zeitintensiven Prozess zurechtschnippeln muss? Und Zeit ist hier wirklich ein kostbares Gut, das nicht durch Essen und Essenszubereitung "verschwendet" werden darf. Das ist wohl wirklich etwas, an das ich mich erst gewoehnen muss.




Umso gluecklicher bin ich, dass ich auch hier Leute gefunden habe, die sich noch Zeit zum Essen nehmen -und selbst eines zubereiten, wie man hier sehen kann. Das Ergebnis unserer self-made tortellini. So gute habe ich selbst bei uns daheim noch nicht gegessen :)


Ende der zweiten Woche bot sich mir die grossartige Gelegenheit, nach New York City zu fahren. Kaum zwei Wochen da und schon ging's auf in die Weltmetropole. Die Fahrt mit dem Bus dorthin gestaltete sich sehr holprig: wie schon gesagt, die Strassen sind nicht wirklich Meisterwerke der Amerikaner und so kamen wir nach einer guten Stunde durchgeschuettelt im Big Apple an. "wir" sind jene Leute, die ueber die Uni die Gelegenheit wahrnahmen, eine Auffuehrung von "TOSCA" in der Met (Metropolitan Opera) zu sehen: Altersdurchschnitt 70, welchen selbst wir 5 jungen Studenten nicht mehr wesentlich senken konnten.

Der erste Eindruck der Stadt war "overwhelming". In den zwei Stunden bis zur Auffuehrung um 1 pm kam ich gerade 2 Blocks weit. The Metropolitan Opera House is amazing!!!! Big, modern, but with a warm atmosphere. Und habt ihr gewusst, dass die riesigen Kristallluster im Inneren der Oper (die uebrigens vor dem Aufgehen des Vorhangs im Zuschauerraum nach oben an die Decke gezogen werden und sanft erlischen) ein Geschenk der Oesterreicher an die Amerikaner waren - als Dankeschoen fuer die Hilfe der Amerikaner beim Wiederaufbau der Wiener Staatsoper nach dem Zweiten Weltkrieg?
Die Vorstellung war beeindruckend und so kam ich abends mit vielen neuen Impressionen zuhause an.


















Die Met im Inneren aus Sicht des sogenannten "Family Circus", also den billigen Plaetzen ganz oben nahe der Decke, sowie rechts von aussen.