Sonntag, 15. Mai 2011

Woche 9: SPRING BREAK mit Philly und Co

Geschafft! Die erste Hälfte des Semesters hatte ich zu meiner vollsten Zufriedenheit hinter mich gebracht und konnte so entspannt in die Frühlingsferien gehen. Eine Woche Zeit zur freien Verfügung - herrlich! Am ersten Wochenende (3/12-13) wurde die Zeit umgestellt - gleich mal eine Stunde weniger schlafen. Am Sonntag wollten Steffi und ich nach Philadelphia zur St. Patrick's Day Parade - allerdings hatte mein liebes Roommate die Zeitumstellung anders rum interpretiert und so fuhren wir spaeter als geplant weg. Welch Glueck, denn die Parade hatte sich als fade und nicht wirklich sehenswert erwiesen, wie wir hinterher erfuhren. Aber von vorne:

HALF A DAY IN PHILLY

Um nach Philadelphia zu gelangen, hatten wir uns den Zug als geeignetes Transportmittel ausgesucht. Wir nahmen den sogenannten Dinky, einen Bummel- und Zubringerzug, von Princeton nach Princeton Junction, wo die Zuege nach NY City (north) bzw. Trenton (south) verkehren. Im Dinky trafen wir ueberraschenderweise auf einen alten Bekannten aus Princeton: Albert Einstein, der seinen Geburtstag feierte. In der ganzen Stadt und am Campus der Princeton University herrschte grosse Aufregung um seinen Geburtstag am 3/14, der als 'Pi'-Day das ganze Wochenende lang zelebriert wurde; u.a. mit apple "pies" etc. Und wir waren mittendrin, wollten dem Rummel entkommen, was uns nicht einmal im Zug gelang...
Bis wir in Philadelphia ankamen, mussten wir zweimal umsteigen - und das Zugfahren ist hier auch etwas anders als bei uns. Man moechte ja meinen, die Amerikaner waeren grosse Sicherheitsfanatiker, allerdings sind die Zuege gar nicht so "safe", wie man schnell feststellt. Zwischen Bahnsteig und Zug faellt gleich einmal der riesige Spalt auf, durch den man einen guten Blick auf den Gleiskoerper erlangt und durch den problemlos ein Kleinkind passt, wenn sein Begleiter nicht Acht gibt. Dafür weisen im Inneren des Zuges duzende bunte und glänzende Plakate/ Poster auf die Strafen hin, die einen erwarten, wenn man sich nicht ordentlich und gesetzesgemäß verhält, ohne Ticket fährt oder dem "conductor" nicht Folge leistet - und das funktioniert wie immer meist ohne große Worte (siehe pic.)



In Philadelphia angekommen waren wir erst einmal überwältigt von den Wolkenkratzern, die neben uns aus dem Boden wuchsen. Wir versuchten uns, ohne Stadtplan einen Überblick zu verschaffen und vielleicht doch noch die St. Patrick's Day-Parade zu erwischen. Unser Plan: Ausschau halten nach grün gekleideten Party people. Es stellte sich gleich heraus, dass die Parade tatsächlich bereits "over" war; Straßenkehrer und Reinigungsmaschinen waren damit beschäftigt, den Benjamin Franklin Parkway von Bierbechern und sonstigem Müll zu entfernen (ein Lob an die Saubermacher NJs - das funktioniert hier blitzschnell).
Wir hatten Glück im Unglück - wie gesagt zwar keine Parade, aber dafür einen aufgrund der Aufräumarbeiten abgesperrten und Auto-freien Parkway und somit eine wunderbare Sicht auf die City, die wir hinter uns ließen, sowie das Philadelphia Museum of Art, auf das wir zusteuerten. Auf unserem Weg dorthin kamen wir an einigen Attraktionen - wie wir später auf einer Karte lasen - vorbei, wie etwa dem Logan Square mit seiner Swann Memorial Fountain bestehend aus verschiedenen Skulpturen, die im Sommer Wasser speien und die erhitzten Gemüter kühlen (oder versuchen, foreigners zu verführen - ohne Erfolg...) oder etwa der Free Library of Philadelphia. Kurz vor den 72 steinernen Stufen, die zum Museum of Art führen, stiegen wir noch zum Monument of George Washington am Eakins Oval empor - danach ging es nach oben zum Museum.
Wir setzten uns gemütlich auf die obersten Stufen und wunderten uns, warum so viele Leute die Stufen auf und ab liefen. Wir führten dieses Verhalten umgehend auf den Fitness-Wahn mancher Amerikaner zurück und nachdem es in unmittelbarer Nähe keinen Park mit Laufstrecke zu sehen gab, erschien uns diese Art des Ausdauertrainings durchaus plausibel. Was wir da noch nicht wussten: es waren DIE berühmten "Rocky Steps", die wir soeben erklommen hatten!!! Silvester Stallone war diese in seinem Film "Rocky I" zum Song "Gonna Fly Now" nach oben gelaufen. Seit damals wird dieser Run von Touristen liebend gerne gemimt - ist also kein amerikanisches Gesundheitsphänomen. Wir bevorzugten es, auf den Stufen genüsslich unsere Chocolate Cookies und die mittlerweile lauwarme Coke zu genießen und den Rocky-Fans beim Nach-oben-Stolpern zuzuschauen. Die Rocky-Statue wollten wir dann aber ganz gerne sehen. Diese steht zu Füßen des Museums - recht unübersichtlich, aber für Touristen doch nicht unerreichbar gelegen.
Was bot sich uns dort für ein Bild? Ein Fetisch-Club on Tour, der für ein professonielles Fotoshooting vor der Statue posierte - eine Mischung aus Rockern, Bikern mit Lack und Leder, Peitschen, "Toys" jeglicher Art, und obendrein eine als Pferd verkleidete Frau, die ihren "Job sehr ernst nahm" und uns beim Vorbeigehen zuwieherte. Fotografieren durch Touristen war natürlich strengstens (!) verboten (so die lautstarken Mahnrufe der Dame links vorne im Bild)... Ungeachtet der roten Ampel liefen wir lachend so schnell wir konnten von dannen...


LET'S GO BOWLING and LET US SING
Die Spring Break ist die willkommene Gelegenheit, alles das an Freizeitbetätigung nachzuholen, was man während des laufenden Semesters nicht bis nur schwer unterbringt. Und natürlich muss man zumindest ein Mal in einem American Bowling Center gewesen sein. "What's your size?", wurde ich gefragt, bevor mir ein nach Desinfektionsmittel stinkendes Paar Bowling-Schuhe in die Hand gedrückt wurde: "Try these and see if they fit" meinte er in Bezug auf meine Ratlosigkeit, ob Größe 9 oder 10 passend wäre (an die amerikanischen Maße hatte ich mich noch immer nicht gewöhnt). Er hatte ein gutes Auge bewiesen - "these" passten perfekt. Nach der Teameinteilung ging es ans Werk. Ich hatte Anfängerglück: gleich beim zweiten und dritten Wurf erzielte ich einen Strike und auch die darauffolgenden Würfe waren nicht schlecht. Doch angesichts der fehlenden Technik und des "gefühlt" immer schwerer werdenden Bowling-Balls landeten die anderen Versuche mit zunehmender Zeit zuhauf im Gutter (Rinne).
An dieser Stelle sei gesagt, dass ich auf Drängen eines Kollegen versucht hatte, dem Ball einen Drall zu versetzen, damit er quasi den Weg einer Parabel beschreibt und ich somit eine größere Chance hätte, alle Pins mit einem Wurf zu treffen. Alles schön und gut in der Theorie; in der Praxis hatte
ich mit meinen unüberlegten, impulsiven Würfen mehr Glück - it was fun though und wenn ich einmal einen guten Trainer bekomme, der nicht nur theoretische Überlegungen anstellt, lasse ich mir das mit dem Drall doch beibringen...
Anschließend ging es weiter, um Pool zu spielen. Bowling, Pool, Dart, Poker, Trivia etc. sind beliebte Games, die allabendlich mit Freunden in Bars gespielt werden. Und die Firkin Tavern war dafür bestens geeignet. Pool - wieder ein Spiel, bei dem mathematische Regeln, ein gutes Augenmaß und Sicherheit beim Abstoß gefragt sind. Nachdem hier die Distanzen geringer sind als beim Bowlen, war die Sache mit dem Augenmaß eine etwas leichtere und jedes erfolgreiche Einlochen ein Ansporn!

Am nächsten Abend gab es keinen "right mood" für Spiele dieser Art. Wir entschieden uns, eine Karaoke Bar zu besuchen: Wednesday night = Karaoke night @ Houlihan's. Jene Bar, in der wir bereits einmal Dinner hatten, aber nicht singen wollten. Diesmal gab es keine faulen Ausreden: jeder von uns musste sich für einen Song in die lange Liste eintragen. Ich wählte "Son of a Preacher Man" (Version von Dusty Springfield) und merkte, wie in mir ein mulmiges Gefühl aufstieg. Das war doch kein Grund, nervös zu werden - hier sang schließlich ein jeder ganz relaxed. "Iiiwa on stage please - where's Iiiiwa" hörte ich plötzlich durch die Lautsprecher rufen. Ich ging "on stage" (der Bereich zwischen Bar und Tischen), nahm das Mikrofon in die Hand und los ging's - am Screen erschien "Intro Instrumental" und dann ein Countdown, bevor ich die Lyrics sah und zu singen begann. Die zujubelnden Rufe aus dem Hintergrund  ließen mein mulmiges Gefühl verschwinden und motivierten mich, alles zu geben. I had a lot of fun out there und als ich schließlich von einem eingesessenen NJ guy zu hören bekam, dass er niemals vermutet hätte, ich käme aus Austria, war meine anfängliche Unsicherheit zur Gänze verflogen.

TRIP TO BOSTON
St. Patrick's Day stand vor der Tür. Und Boston schien das geeignete Pflaster für diesen Anlass. Mary, Jake und ich begaben uns also auf die Reise: Dinky (Bummelzug) von Princeton Station nach Princeton Junction. Princeton Junction nach NYC Penn Station mit dem Zug (Zugfahren kannte ich nun schon und so war ich nicht überrascht, als uns der Conductor die Tickets abnahm, sie mit seinem Lochgerät entwertete und an die Vorrichtung auf dem Sitz heftete). Als wir in New York aus dem Untergrund nach oben stiegen zur 8th Avenue, wurde ich von den Wolkenkratzern und der Masse an Leuten, die an uns vorbeiströmten, überwältigt. Ich war damit beschäftigt, mein Köfferchen hinter mir herzurollen und vor lauter Schauen und Staunen nicht in ein Loch auf dem Gehsteig zu treten und mir den Fuß zu verstauchen oder ähnliches. Wir mussten nur einen Block weit zur 34th Street, wo wir in den vorreservierten Bolt Bus stiegen, der uns nach Boston bringen sollte. Der Bus war bestens ausgerüstet mit schwarzen komfortablen Ledersitzen, air condition, Strom, wireless Internetanschluss und verdunkelten Scheiben, die uns die 4 Stunden Fahrt nach Boston so angenehm wie möglich gestalten sollten. Und tatsächlich: fast ein jeder/eine jede hatte ihren Laptop oder besser gesagt MacBook dabei und arbeitete darauf oder spielte mit seinem/ihrem Smart Phone und man konnte am Verhalten der User ablesen, wann die Verbindung schlecht war, oder gar abriss; denn dann wurde es im Bus zunehmend unruhiger und man konnte die aufsteigende Nervosität spüren...
Anyway, eine "Klopause" bei einem am Highway gelegenen Burger King durfte natürlich auch nicht fehlen. Schnell entleerte sich der Bus zur Gänze seiner Insassen. Als ich von den restrooms zurückkehrte, hatte sich im trotz air condition ziemlich stickig gewordenen Bus zusätzlich eine Duftmischung aus Burgern, Fritten und Co breit gemacht, die meinen Appetit auf meine - wie ich nun feststellte - im Plastiksackerl schwitzende, mitgereiste Banane nicht gerade verstärkte. Dann doch lieber vom Nachbarn ein paar French Fries klauen.

In Boston erwartete uns Jake's Freund Zack, bei dem wir wohnen durften. Er geleitete uns vom Bahnhof zu seinem Zuhause - zuerst mit der U-Bahn, dann zu Fuß weiter an den Boston Projects (Ghettos) vorbei  on the hill, wo er mit 2 roommates eine Haushälfte teilte. Noch am selben Abend machten wir uns auf, ein umliegendes Bostoner Viertel zu erkunden und uns mit Guiness auf den irischen Nationalfeiertag einzustimmen. Am nächsten Tag ging es schon recht früh los: it was noon when we had our breakfast-lunch mit Guiness-Begleitung. Wie man das so macht, hatten wir uns grün gekleidet, um nicht "gepincht" (gezwickt) zu werden - eine Regel am St. Patrick's Day. Wir hatten Glück mit dem Wetter: über 70°F, was für Mitte März eine regelrechte Ausnahme ist. So konnten wir es uns am Nachmittag, als die Lokale in der Stadt regelrecht zu platzen drohten, auf Zack's Terrasse in der Sonne gemütlich machen...
Parade hatten wir auch in Boston nicht gesehen - zu nervig war uns der Tumult in der Stadt gewesen, dass wir es bevorzugten, uns erst wieder ins Nachtleben zu werfen (ohne stichige Sonne).
Ein Tag kann so schnell vergehen - vor allem, wenn man Spaß hat - und ehe wir uns versahen und kaum geschlafen hatten, war der Abreisetag da.
Am Weg zum Bahnhof (diesmal am Tag) sahen wir ein wenig mehr von Boston. Und da war ich wirklich überrascht, das "Goldene Dachl" zu sehen ;)


Straßeneindrücke
Am Weg nach downtown
Apple Store auf 4 Etagen!

The story goes on...

Das Semester hier in Princeton ist vorüber. Es ist nun an der Zeit, meinen Blog wieder up-to-date zu bringen (hoffentlich noch bevor ich wieder zuhause bin). Und dabei ist mir aufgefallen, wie schnell die Zeit vergangen ist. Deswegen heißt es, die Gedanken so schnell wie möglich niederzuschreiben, bevor mir die feinen Eindrücke, die ich gewinnen konnte, entfallen.