Donnerstag, 10. März 2011

Woche 5: Von einem ersten Chorauftritt und meinem neuen Roommate

Woche 5 begann damit, dass ich mit meiner neuen Mitbewohnerin frühstückte, die eigentlich bereits am Samstag angekommen war: Stefanie aus Deutschland. Wir sind somit ein 3-Mäderl/ Frauen-Haus und deutschsprachige Verbündete ;) Das Treffen weilte nicht lange, weil uns allen ein langer und intensiver Tag bevor stand. So sind Montage bei mir: lang. Der Chorleiter des Rider Choir hatte an mir Gefallen gefunden und mir, nachdem er von meinem Voice Pedagogy Studium erfahren hatte, vorgeschlagen, wöchentlich das Warm up mit dem Chor zu machen (als Practical Training für mich und Erleichterung für ihn). Ich fieberte also meinem ersten "Auftritt" als Vocal Trainer mit den Studierenden entgegen und war so erleichtert, als sie mir blindlings vertrauten und alle Übungen widerstandslos mitmachten. Das schafft Selbstvertrauen ;)
In meinen eigenen Unikursen war ich bereits tief in die Materie eingetaucht und die Chorproben gestalteten sich sehr intensiv angesichts des bevorstehenden Konzertes. Neben all diesem "pressure" sollte ich mich noch auf die Schuhsuche nach passenden schwarzen Schuhen für den Auftritt begeben: aussichtslos in Princeton Downtown. Hier ist Window Shopping angesagt. Wagt man sich dann doch in eine der herzigen Boutiquen, so lachen einem Preise für Schuhe angefangen bei etwa $300.- aufwärts höhnisch entgegen. Retterin in der Not war meine Landlady, die mich eines Abends einpackte und mit mir in ein Shopping Center fuhr - in ein wahres Schuhparadies, wo ich SIE schließlich fand! Für nur $38.- (!!!!!!!). Eine Sorge weniger und ich konnte mich auf die anderen Ereignisse dieser Woche konzentrieren; genauer gesagt 2 Highlights.
Nico Castel
Das erste war der Besuch des angesagten Diction and Language Coaches Nico Castel, Herausgeber zahlreicher Übersetzungen von Libretti für Opern. Der gebürtige Portugiese beeindruckte mit seinen Sprachkenntnissen (er spricht 6 Sprachen fluently und weitere 4 oder gar mehr einigermaßen gut). Amazing! Selbst ich durfte noch etwas über die deutsche Aussprache beim Singen lernen!
Wir Studenten im Playhouse Nico Castel lauschend

















Das zweite Highlight war der Besuch des Anne Sofie von Otter-Konzertes im McCarter Theatre hier in Princeton am Donnerstag, den 17. Feber. Die schwedische Sängerin bezauberte mit ihrer einzigartigen Stimme und Stilistik. Nach einem klassischen, von schwedischen Liedern und Brahms-, sowie Strauss-Liedern geprägten ersten Teil switchte die Sängerin plötzlich zu Jazz und Pop. An ihrer Seite beeindruckte der herausragende Jazz-Pianist Brad Mehldau mit seinem feinfühligen Tastenspiel. Ein wunderbarer und gelungener Abendgenuss! 

Für Interessierte zum Reinhören: http://www.youtube.com/watch?v=dwSBI3A9t94




Und schließlich folgte Samstag Abend unser eigener Chorauftritt mit dem Westminster Symphonic Choir in der Princeton University Chapel. Ein kleiner Auszug aus dem Konzertprogramm:

The Westminster Symphonic Choir will present a concert entitled Cathedral Classics on Saturday, February 19 at 8 p.m. in the Princeton University Chapel.
The program will include classic works for choir and organ especially suited for the Princeton Chapel’s majesty.  Amanda Quist will conduct William Walton’s Coronation Te Deum and Gerald Finzi’s God is Gone Up.  Graduate student conductors Christopher Jackson and Kieun Steve Kim will conduct works by Benjamin Britten, Herbert Howells, William Mathias, Felix Mendelssohn and more.  They will be joined by organist Eric Plutz.

Das Konzert war ein großer Erfolg und wir hinter her allesamt sehr erleichtert ;)

Princeton University Chapel - Kanzel und Orgel (links)


Woche 4: Chorerlebnisse und Triumph

Die Woche (02/07-02/13/2011) begann mit einem sehr langen Montag: fast durchgehend Kurse und abends mein erstes Mal als Korrepetitorin des Rider Choirs am Lawrenceville Campus. Es hieß, ich solle mit dem Shuttle-Bus vom Princeton Campus dorthin fahren, was ich auch tat. Der Shuttle Bus ist ein kleiner Truck, in Größe und Form eines School Bus' und - wie könnte es auch anders sein - mit der Aufschrift und Bildern des Westminster Choir College versehen. Das Innenleben ist auch so, wie man es aus den Zeichnungen des Schulbusses aus der "Die Simpsons"-Serie kennt; mit dem Unterschied, dass nicht Otto, der kiffende Schulbuslenker darin sitzt, sondern eine gelangweilte Fahrerin (deren Erscheinung dann aber doch wieder jener Ottos ähnelt), die einen mit einem herzlichen und warmen "Hey Hon - how ya doin'?" begrüßt. Die rumpelige und laute Fahrt mangels Federung des Busses wird durch ein laut aufgedrehtes Radio à la Ö3 zu kompensieren versucht.
Der Rider Choir ist ein bunt zusammengewürfelter Chor aus angeblich 25 Studenten (es waren noch nie alle anwesend!) verschiedener Studienrichtungen, deren Leidenschaft es ist, zu singen. Die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein: Man trifft auf die enthusiastische und resolute Chorsängerin, die auch vor falschen Tönen nicht zurückschreckt, auf den etwas pummeligen großen Bass, der seine Stimme erst finden muss und deshalb manchmal Tenor oder gar Alt singt, auf die schüchterne kleine Chormaus im Alt, die es kaum wagt, den Mund zu öffnen, auf Beauty, die es vorzieht, zu tratschen oder ihr Make-up aufzufrischen - die einem im Falle der Ermahnung aber das breiteste und schönste Lächeln der Welt schenkt, dass man nichts mehr zu sagen vermag, auf die notorischen "I'm sick, I can't sing today - can I leave earlier?"-Sänger oder aber jene, die sich ihrer wunderschönen Stimmen (noch) nicht bewusst sind und sich dezent im Hintergrund halten. Mit einem Wort: eine Herausforderung!
Apropos Chor: Ende dieser Woche hatte ich auch mein Kleid für den Auftritt mit dem Westminster Symphonic Choir am 19. Feber bekommen. Via UPS, versteht sich. Das musste ich natürlich sofort anprobieren - deswegen das Foto in meinem Zimmerchen.
Zur Abwechslung vom Uni-Alltag wurde ich abends in das Nachtleben Princetons eingeführt. Wer glaubt, dass man hier in Disco-Tempeln abtanzen kann, der irrt. Hier geht es gesittet zu und man trifft sich in gemütlichen Lokalen. Im sogenannten Triumph - Restaurant & Brewery muss man natürlich unbedingt den hauseigenen Bier-Sampler ausprobieren. Eine feine Auswahl an 7 unterschiedlichen Biersorten, der Stärke nach sortiert: Honey Blonde, Amber Ale, Vienna Lager, Imperial Stout, Bengal Gold India Pale Ale, Winter Wonder, Scottish Ale.
Noch freudig und enthusiastisch das erste
Glas hebend.